Zukunft braucht Herkunft.

Chronik der eigenen Geschichte

Der Mensch neigt zum Sammeln von kleinen und großen Erinnerungsstücken – jeder von uns kennt solch Verhalten. In kleinen Kisten heben wir den ersten Liebesbrief auf, Fotos von den Großeltern, Pfeifen, Spielzeugautos und das Kleid der zeitweise bedeutsamen Barbie.
In der Schule werden unsere Klassenfahrten dokumentiert – früher als Kollage aus Fotos und Zeichnungen, heute im Blog. Im Studium schreiben wir Geschichte, indem wir uns bei Versammlungen der Studierendenvertretungen fotografieren lassen, wie wir Reden zu großen Taten schwingen. Zumindest unsere Eltern und Freunde werden die Bilder der Presse in ein Familienalbum kleben, damit sie uns diese Erinnerungen in einigen Jahrzehnten noch einmal freudestrahlend vermitteln können – nach dem Motto „…weißt Du noch?...“

Die Erinnerungen in unseren Gedanken verblassen mit der Zeit, ebenso wie die zahlreichen Fotoalben in den Regalen. Im erlebten Moment messen wir den Emotionen, den freudigen oder traurigen Ereignissen eine solche Bedeutung bei, das wir glauben, wir würden die Menschen niemals vergessen, mit denen wir sie erlebt haben.

Dass wir vieles doch vergessen, merken wir oftmals erst dann, wenn wir zufällig Menschen treffen, mit denen uns gemeinsame Ereignisse verbinden. Und wenn wir uns dann an positive Erlebnisse erinnern können, dann sind wir manchmal froh, wenn wir dem eigenen Gedächtnis mit Relikten aus der Vergangenheit auf die Sprünge helfen können.

In der Polizeigeschichtlichen Sammlung haben sich eine ganze Anzahl von solchen Erinnerungsstücken erhalten. Zu einer besonderen Gruppe gehören die so genannten Lehrgangschroniken. Die Polizeianwärter der Landespolizeischule erarbeiteten am Ende ihrer Ausbildung über viele Jahrzehnte Chroniken vor allem über ihr erstes Jahr bei der Polizei. So wurden im Schnitt gut 80 Seiten beklebt mit Fotos, Zeichnungen und Zeitungsartikeln. Aber auch Kommentare zu Stubenkollegen und Ausbildern finden sich darin, durchaus humorvoll aber auch mit Seitenhieben.

So eine Chronik wurde auch von den Kollegen der 1. Lehrhundertschaft des 42. Grundlehrganges 1970/ 1971 erstellt. Gefüllt mit freudigen und traurigen Ereignissen, Erfahrungen und Gefühlen zeichnet diese Chronik ein Bild einer Lebensphase von 107 jungen Männern nach, deren berufliche Entscheidung in diesem Jahr ihre Zukunft über Jahrzehnte prägen sollte.




Wir haben in der PGS erstmals eine solche Chronik digitalisiert und können sie so interessierten Kolleginnen und Kollegen zur Ansicht zur Verfügung stellen. Damit ist ein faszinierender Einblick in eine andere Zeit der Ausbildung bei der Polizei möglich. In der Polizeigeschichtlichen Sammlung möchten wir aber nicht nur zum Schmökern in der Vergangenheit anregen, sondern damit gleichzeitig auffordern, auch heute Eindrücke aus der Polizeiarbeit festzuhalten und sie uns zur Verfügung zu stellen. Wir freuen uns darauf, zukünftig Vergangenes in unsere Sammlung aufnehmen zu dürfen.


Besuchen Sie den Blog zur Polizeigeschichte unter www.blog.polizeigeschichte-niedersachsen.de und fühlen Sie sich eingeladen, eigene Beiträge zum Thema zu schreiben, zu diskutieren oder sich zu informieren. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.



Feuerwehreinsatz am 5.7.2011 und Rundgang durch die Polizeigeschichtliche Sammlung