„MOT“ Delmenhorst

02.12.2014 | Kategorien: PoliZeitGeschichten
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Verkehrspolizeistaffel Delmenhorst vor dem Dienstgebäude in Delmenhorst, Annenheider Straße (Archiv Polizei Delmenhorst)

Autor: Manfred Rautenberg

Die Sicherung der Verkehrswege ist seit altersher eine der Aufgaben der Polizei, egal wie sie sich in der jeweiligen Zeit nannte oder organisierte. Die Reiter des „Corps der Polizeydragoner“ und des „Oldenburger Gendarmeriecorps“ dürften eher beschauliche Ausritte auf den Straßen ihrer Zeit gehabt haben, allerdings liegt die Vermutung nahe, das die Aufstellung einer eigenständigen Polizeitruppe im Oldenburger Land ihre guten Gründe hatte. Das Aufkommen von Kraftfahrzeugen brachte eine Entwicklung in Gang, die auch im Polizeibereich weitreichende Folgen hatte.

Zur Veranschaulichung mag ein Zeitungsartikel der Nordwest-Zeitung vom 19.6.2010 dienen, in dem von einem Verkehrsunfall berichtet wird, der schon etwas länger her ist.

Prinz-Heinrich-Stein 1911
Prinz-Heinrich-Stein 1911

1911 verunglückte Prinz Heinrich von Preußen  (siehe Artikel der NWZ vom 19. Juni 2010 (Autor: Dirk Faß) Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg) auf der heutigen B 213 in der Nähe von Gut Lethe. Ein damals Aufsehen erregender Fall, der auch zum Aufstellen eines Gedenksteines führte. Ob der Verkehrsunfall damals schon durch Polizei aufgenommen wurde, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich war es noch nicht üblich, denn nur wenige konnten sich ein solches Gefährt leisten und Unfallaufnahme war noch nicht in dem Maße wie heute erforderlich.

Dies änderte sich im Laufe der Jahrzehnte stark. Es seien nur die Stichworte Massenmotorisierung und Autobahnbau genannt. Auch die Polizei nahm sich dieses Themas verstärkt an und bildete schon eigenständige Abteilungen, die damit zu tun hatten. Ablesen kann man dies an folgendem Erlaß für die motorisierte Gendarmerie aus dem Jahr 1941.

Erlass von 1941
Erlass von 1941

Über diese ersten Verkehrspolizeidienstellen ist wenig bekannt. Konkreter wird es In den 50er Jahren, wo eine Verkehrspolizeistaffel in Oldenburg beheimatet ist.

Es gab zwar noch keine Autobahnen im damaligen Verwaltungsbezirk Oldenburg, aber man überwachte den Verkehr auf Bundes- und Landesstraßen im gesamten Bereich. In dieser Zeit wurde in Oldenburg wurde eine Gruppe zusammengestellt, die die neu gegründete Verkehrspolizeistaffel Delmenhorst aufbauen sollte. Die ersten neun Beamten wurden zunächst am 01.08.1953 in Räumlichkeiten des 2. Polizeireviers in Delmenhorst, in der Stedinger Straße untergebracht. Garagen gab es nicht und die Dienstkraftfahrzeuge wurden in einer angemieteten Scheune an der Dwostraße untergestellt.

Verkehrskontrolle durch eine Streife der "Mot" 1957 in Hude (Archiv Polizei Delmenhorst)
Verkehrskontrolle durch eine Streife der „Mot“ 1957 in Hude (Archiv Polizei Delmenhorst)

Verkehrskontrolle in der Gemeinde Hude 1957 in der Parkstraße. Die Namen der kontrollierenden Beamten sind unbekannt. Der Film wurde dem Polizeiarchiv Delmenhorst durch die Arbeitsgemeinschaft für Hude (AGFH) zur Verfügung gestellt

 

1965 konnten Räumlichkeiten in einer ehemaligen Schuhfabrik am Uferweg 15 für Zwecke der Verkehrspolizei angemietet und umgebaut werden. Einige Räume waren vorher schon durch den Ermittlungsdienst der Stadtpolizei genutzt worden und auch eine Wohnung für den damaligen Mitarbeiter Technik und dessen Familie war vorhanden.

Einen Stützpunkt (Artikel der NWZ vom 6. Juli 1967, Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)  an der BAB A1 gab es auch bald, einen günstig erworbenen Container, der an der Abfahrt Wildeshausen-Nord aufgestellt war. Kaufpreis samt Aufstellung 120.000 DM.

Verkehrspolizeistaffel Delmenhorst vor dem Dienstgebäude in Delmenhorst, Annenheider Straße (Archiv Polizei Delmenhorst)
Verkehrspolizeistaffel Delmenhorst vor dem Dienstgebäude in Delmenhorst, Annenheider Straße (Archiv Polizei Delmenhorst)

1978 verloren die motorisierten Verkehrspolizeistaffeln den Zusatz „motorisiert“. Unter dem Dach einer Verkehrspolizeiinspektion mit Sitz in Oldenburg wurden die Verkehrspolizeistaffeln Oldenburg, Delmenhorst, Langen und Osnabrück angesiedelt; die Staffeln Leer und Ahlhorn gab es noch nicht. Der Begriff „MOT“ für die Dienststellen der Verkehrspolizei aber hat die Zeit und den Wandel bis heute im allgemeinen Sprachgebrauch überdauert.

Im Januar 1980 zogen die Beamten etwas näher an die Autobahn/ Bundestraße 75, an die Annenheider Straße in Delmenhorst-Hasport, in einen Flachdachbau, der vorher als Supermarkt erstellt und für die Zwecke der Polizei umgebaut worden war.

Am 1.12.2004 wurden wieder die Koffer gepackt und die Dienststelle, mittlerweile nannte sie sich Polizeikommissariat BAB und war in die Polizeiinspektion Delmenhorst integriert, zog nach Gut Lethe bei Ahlhorn um. Die alte Dienststelle diente anderen Zwecken, u.a. wurde der Containerstützpunkt an der BAB aufgegeben. Die Streife, die die A 28 versorgte, konnte noch eine Weile dort Räumlichkeiten nutzen, bis der Mietvertrag endete. Zur Zeit (2012) wird diese Streife in den Räumen der Polizeistation Ganderkesee beherbergt.

Luftaufnahme PK BAB
Luftaufnahme PK BAB

Als der autobegeisterte Prinz 1911 unsanft die Straße bei Gut Lethe verlies, hätte er sich nicht träumen lassen, dass 100 Jahre später dort eine Dienststelle einer Verkehrspolizei beheimatet sein würde. Wo diese Staffel in weiteren 100 Jahren sein wird und wie sie sich nennen wird…….wer weiß?

Für Nutzer des behördeneigenen Intranets bietet die Polizeiinspektion Delmenhorst vertiefendes Material auf ihren Seiten an.

Rautenberg, PHK 13.12.2012

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