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Hermann Fraatz zum 70. Geburtstag


Wenn man danach fragt, was einen Menschen besonders macht, dann mit Sicherheit die Anerkennung und Wertschätzung, die er durch andere Menschen erfährt. So ein besonderer Mensch feierte am 8. Mai, am Muttertag, seinen 70ten Geburtstag. Hermann Fraatz, unser langjähriger zweiter Vorsitzender des Förderkreises, kann nicht nur auf eine bewegte Polizeikarriere zurückblicken, sondern er steht in seinem siebten Lebensjahrzehnt mitten im aktiven Dienst des Regionalverbandes Niedersachsen Mitte des Vereins Johanniter-Unfall-Hilfe. Als ehrenamtlicher Regionalvorstand des Regionalverbandes hat er einen Berg von Aufgaben zu bewältigen und das nicht erst seit dem letzten Jahr, unter dem Eindruck der rasant steigenden Flüchtlingszahlen.


Hermann Fraatz


Wir vom Förderkreis der Polizeigeschichtlichen Sammlung, konnten Hermann Fraatz deshalb gut verstehen, als er darum bat, vom Amt des zweiten Vorsitzenden des Förderkreises entbunden zu werden. Trotzdem hat er immer ein offenes Ohr für die Belange der Polizeigeschichte und unseres Vereins behalten. Nicht zufällig finden deshalb unsere Vorstandssitzungen im Beisein des neuen zweiten Vorsitzenden, Uwe Lührig, meist in den Räumen der Johanniter in Hildesheim statt.


Man merkte deutlich bei dem Festakt in Hannover, der mit einem Gottesdienst begann, dass hier sehr emotional einem Menschen für sein Engagement, seine Kompetenz und seine unnachahmliche persönliche Art gedankt wurde. Der Bogen der Dankesredner reichte vom Pastor Karl Ludwig Schmidt und anderen Führungskräften der Johanniter, über die stellvertretende Regionspräsidentin der Region Hannover, Angelika Walther, bis hin zum Mitglied des Bundestages Matthias Miersch. Alle waren sich einig in dem Urteil, dass Hermann Fraatz ein außergewöhnlicher Mensch sei, der den Gedanken der christlichen Nächstenliebe für sich verinnerlicht hat und lebt.


Also Hermann: schön dass es dich gibt und bleib wie du bist!

Dr. Dirk Götting 05.2016



Auschwitz – ein schwerer Weg für einen deutschen Polizisten


Die Bilder – die kennt man – aus dem Fernsehen, aus dem Internet oder aus unzähligen Veröffentlichungen. Der in eisernen Lettern geschmiedete Spruch „Arbeit macht frei“. Eine an Zynismus kaum zu überbietende Versprechung. Sie suggeriert, dass derjenige, der durch das Tor gehen muss, es noch beeinflussen kann, ob er wieder herauskommt - wenn er nur fleißig und gehorsam ist.



 

Doch so war es nicht! Die eisernen Lettern über dem Lagertor waren nur Teil eines ausgefeilten Mordplanes, der aus Verschleierung, Täuschung und Arbeits- bzw. Verantwortungsteilung geschmiedet worden war. Unzählige Menschen fielen diesen heimtückischen Planungen zum Opfer. Und das, ohne dass sie irgendjemandem irgendetwas getan hatten. Sie waren nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

 

Und die Täter? Neben Überzeugungstätern, die es auch gab, waren es in den meisten Fällen Menschen die glaubten – oder glauben wollen – nur ihre Pflicht tun zu müssen. Sie hatten nicht persönlich etwas gegen ihre Opfer und nach den Taten lebten sie genauso unbescholten weiter wie zuvor. Waren also auch die Täter nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Schwer vorstellbar, kaum zu akzeptieren und doch nicht ganz ohne Wahrheit. Wenn ein Verwaltungsapparat zu einer Mordmaschinerie mutiert, dann verschwinden die Täter in der Anonymität der Funktionsträgerschaft.

 

Wer aktuell die Urteilsbegründung des Landgerichts Lüneburg im Fall Oskar Grönings liest, der erfährt viel über ein System, das mit Heimtücke gegenüber den Opfern agierte, fast schon banal arbeitsteilig funktionierte und aus Opfern Opfer und aus Tätern Täter machte. Auf der Rampe in Auschwitz Birkenau trafen Menschen aufeinander, die bis dahin beide nichts Unrechtes getan hatten. Nur jetzt, an dieser Stelle trennten sich die Wege. Die einen wurden von den anderen umgebracht, grausam und heimtückisch.   

 

Auschwitz und die anderen Vernichtungslager waren Menschenschlachthöfe. Sie erscheinen einem heute wie aus einer apokalyptischen Utopie. Man fühlt sich an die düsteren auf Leinwand gebrachten Höllenvorstellungen eines Hyronimus Bosch erinnert, wenn man die Berge von menschlichen Hinterlassenschaften sieht. Die Haare, Gebisse, Brillen und Schuhe waren für die Weiterverwertung gedacht. Völlig unwirklich erscheinen auch Fotoaufnahmen von der tödlichen Selektion auf der Rampe im strahlenden Sommerwetter 1944. Man ist beinahe froh, dass es keine Farbaufnahmen sind.

 

Doch was hat das Grauen von Auschwitz mit der deutschen Polizei von 2016 zu tun? Ich glaube eine ganze Menge!

 

Denn Auschwitz ist auch der Ort, an dem sich Polizeigeschichte widerspiegelt. So waren es in aller Regel Polizisten, die im Rahmen eines polizeilichen Einsatzes ihre jüdischen Mitbürger zu den Sammelorten für den Abtransport einbestellten, bis in die Gettos oder Konzentrationslager begleiteten und bewachten.

 

Es waren Polizisten der Geheimen Staatspolizei, die politische Gegner des Nationalsozialismus in die Lager einwiesen. Und es waren ganz normale Kriminalbeamte und Frauen der weiblichen Kriminalpolizei, die Menschen als Berufs- und Gewohnheitsverbrecher stigmatisierten und auf Dauer in die gleichen Lager sperren ließen.

 

Auschwitz ist ein Teil unserer kollektiven Geschichte als Deutsche. Wir tragen zwar keine Schuld am Handeln der Menschen in dieser Zeit – aber wir haben unseren Teil an Verantwortung dafür zu übernehmen, dass das was damals wie passiert ist, nicht vergessen, sondern aufgearbeitet wird und bewusst bleibt.

 

Genau dieser Verantwortung haben sich Anfang April junge deutsche Polizeiangehörige im Rahmen eines gewerkschaftlichen Bildungsseminars in Krakau gestellt. Sie haben die Gedenkstätte Auschwitz besucht und sich anschließend in Workshops mit dem auseinander gesetzt, was sich ihnen dort an Eindrücken geboten hat. Und sie haben sich dann genau mit der Frage der Relevanz beschäftigt, nämlich wie gehen wir mit unserer eigenen Geschichte um?

 

Die Beschäftigung mit Polizeigeschichte ist nicht Standard in der Aus- und Fortbildung von Polizeiangehörigen in Deutschland. Deshalb ist es besonders wichtig, dass zumindest diejenigen, die sich aus eigenem Antrieb mit der Polizei im NS-Staat auseinander setzen möchten, auch Gelegenheit dazu bekommen. Ich spreche deshalb den Organisatoren und Teilnehmern der Veranstaltung in Krakau meinen Dank und Respekt aus. Sich in Zeiten, in denen rechtes Gedankengut in Deutschland und Europa wieder zunehmend an Boden gewinnt, sich mit den Folgen einer solchen Politik auseinanderzusetzen, erfordert Einsicht, Engagement und Courage.


Dr. Dirk Götting 05.2016





"Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat" 2016


Die neuere historische Forschung hat bewiesen, dass die Polizei, ähnlich wie die Wehrmacht, keineswegs zwischen 1933 und 1945 „sauber“ geblieben ist und nur ihre Pflicht erfüllte. Vielmehr zeigte sich, dass die Polizei ein wesentliches Herrschaftsinstrument zur Unterdrückung, Kontrolle und auch Ermordung von politischen und weltanschaulichen Gegnern des Nationalsozialismus gewesen ist.


 

Biografien von Tätern aus dem Bereich des heutigen Niedersachsen belegen grausame und menschenverachtende Verhaltensweisen. So etwa die des ehemaligen Polizeichefs von Braunschweig, Friedrich Jeckeln, der für Massenmorde in der Sowjetunion verantwortlich war oder die von Friedrich Pradel, der mobile Vergasungswagen konstruierte, in denen, wie er in einem Bericht schrieb „97.000 verarbeitet [wurden], ohne dass Mängel an den Fahrzeugen“ aufgetreten seien.

 

Die Ausstellung wandert auch 2016 durch Niedersachsen und Deutschland:


März 2016               Bundespolizei Deggendorf (Bayern)
05.-25. April 2016    Landkreis Hildesheim (Großer Sitzungssaal)
Herbst 2016             Hamm (NRW)


in Hildesheim vom 05. bis 25. April 2016   


Ausstellungsort:
Großer Sitzungssaal des Landkreises Hildesheim
Bischof-Janssen-Straße 31
31134 Hildesheim


Montag – Donnerstag, 15 bis 18 Uhr, Sonntag 13 bis 18 Uhr

Zusätzlich können Sie an den Vormittagen, montags bis freitags,

Gruppenführungen bis 30 Personen anmelden.

Flyer zur Ausstellung in Hildesheim im April 2016

Begleitende Abendveranstaltungen in Hildesheim:

Donnerstag, 07.04.2016, 18:30 Uhr – 20:00 Uhr - Dr. Dirk Götting, Polizeiakademie Niedersachsen
Vortrag: Die Inhalte der Ausstellung „Ordnung und Vernichtung - die Polizei im NS-Staat“

Dienstag, 12.04.2016, 18:30 Uhr – 20:00 Uhr - Professor Dr. phil. Herbert Reyer
Vortrag: „Die Deportation der Hildesheimer Juden“

Donnerstag, 14.04.2016, 18:30 Uhr – 20:00 Uhr - Dr. Pudlat und Severin Cramm, Universität Hildesheim
Vortrag: „Polizeigeschichte(n): Verantwortung und Chance“

Dienstag, 19.04.2016, 18:30 Uhr – 20:00 Uhr - Markus Roloff, VHS-Hildesheim
Vortrag: „Die GeStaPo Hildesheim im 2. Weltkrieg.“

Donnerstag 21.04.2016, 18:30 Uhr – 20:00 Uhr
Talkrunde unter Moderation von Dr. Thomas Muntschick (Radio Tonkuhle)
Thema: „Freund und Helfer?! Zum Wandel vom Selbst- und Fremdbild der Polizei.“

Anmeldung: Zu den Abendveranstaltungen melden Sie sich bitte aufgrund der begrenzten Sitzplätze unter 05121-939103 oder 05121-939203 oder per E-Mail poststelle@pi-hi.polizei.niedersachsen.de an.
An den Tagen der Abendveranstaltungen ist die Ausstellung ab 16:00 Uhr öffentlich zugänglich. Es ist außerdem möglich, um 17:00 Uhr an einer Führung durch das Polizeigebäude teilzunehmen.



Interessierte Einrichtungen, die ebenfalls die Ausstellung zeigen möchten, können sich an das Polizeimuseum Niedersachsen wenden unter: polizeimuseum@akademie.polizei.niedersachsen.de

 

Weitere Informationen finden Sie in unserem Archiv unter:

http://www.polizeigeschichte-niedersachsen.de/9.html  

 

 03.2016



"Von der Polizeiassistentin zur Führungskraft" 2016

 

Man mag es kaum glauben, aber die ersten Frauen erstritten sich die Einstellung in den Polizeidienst schon zu einer Zeit, als ihre männlichen Kollegen noch Pickelhauben trugen. Danach gab es in den 20er Jahren Schutzpolizistinnen in Uniform ebenso, wie Kriminalbeamtinnen mit Dienstmarke und in dunklen Mänteln. Doch trotz dieser langen Tradition dauerte es noch viele Jahrzehnte, bis die Frau Polizistin ebenso zur Selbstverständlichkeit wurde, wie ehedem der Schutzmann oder der Herr Kommissar.
Diese spannende Entwicklung soll in der Wanderausstellung "Von der Polizeiassistentin zur Führungskraft" mit Hilfe von eindrucksvollen Bildern, hilfreichen Texten, Exponaten und Filmendokumenten nachgezeichnet werden.

 

Die Ausstellung wandert auch in diesem Jahr durch Deutschland.

 

Plakat der Sonderausstellung

 

in Hameln: 07.03. - 24.03.2016

 

Ausstellungsort:
Kreishaus Hameln-Pyrmont
Süntelstraße 6
Hameln

Rahmenprogramm:

Dienstag, 08.03.2016, 10.00 Uhr - Dr. Dirk Götting
Ausstellungsführung zum Internationalen Frauentag

Donnerstag, 17.03.2016, 15.00 Uhr - Dr. Dirk Götting
Ausstellungsführung mit und Polizeibeamten/innen.

Donnerstag, 17.03.2016, 17.00 Uhr
Podiumsdiskussion: „Frauen in Führung - geht gar nicht!?“
u.a. Landrat Tjark Bartels, Oberbürgermeister Claudio Griese, Polizeiinspektionsleiter
Ralf Leopold, Frau Kirstin von Blomberg und Polizeioberrätin Kathleen Arnhold.
Moderation: radio aktiv.
Ort: radio aktiv, Deisterallee 3, Hameln.

Flyer zur Ausstellung


Interessierte Einrichtungen, die ebenfalls die Ausstellung zeigen möchten, können sich an das Polizeimuseum Niedersachsen wenden unter: polizeimuseum@akademie.polizei.niedersachsen.de

 

Weitere Informationen finden Sie in unserem Archiv unter:

http://www.polizeigeschichte-niedersachsen.de/9.html


02.2016


Soko S – Die Jagd nach dem Bombenattentäter von Bremen und Eystrup


„Heimtückische Mordanschläge in Norddeutschland" titelte eine überregionale Tageszeitung am 30. November 1951. Was war geschehen?

In Eystrup und Bremen kamen zwei Menschen beim Öffnen von Postpaketen durch Sprengstoffexplosionen grausam zu Tode und etliche weitere erlitten zum Teil schwerste Verletzungen. Ein weiterer versuchter Anschlag in Verden misslang.

Schnell stand bei den Ermittlern von Polizei und Staatsanwaltschaft die Frage nach dem Motiv im Vordergrund. Handelt es sich um ein politisches Attentat, einen Anschlag aus Eifersucht oder Habgier, oder ist hier ein psychisch gestörter Mensch am Werk?

Dass der Täter, Erich Cedrik von Halacz, ein junger Mann aus dem ländlichen Raum rund um Nienburg an der Weser ist, erstaunte viele und erklärte wenig.



Soko S


Das Polizeimuseum Niedersachsen hat jetzt diesen Fall aufgegriffen und will vor allem die polizeiliche Seite und die Zeitumstände in Form einer Ausstellung dokumentieren. Selbst nach über sechs Jahrzehnten gelang es den Kuratoren noch wichtige Originaldokumente und Asservate des Falles zusammen zu tragen. So zum Beispiel den zeitgenössischen Nachbau der Paketbombe, Lichtbildmappen von den Tatorten, die Schreibmaschine, die der Täter benutzt und die ihn schließlich überführt hat, und natürlich originale Zeitschriftenartikel sowie das gebundene Urteil mit Begründung des Landgerichts Verden.


Der Förderkreis der Polizeigeschichtlichen Sammlung hat die Aufarbeitung des Falles finanziell unterstützt.

Flyer zur Ausstellung


Hier gibt es mehr Information:


Polizeiakademie Niedersachsen

Ausstellungseröffnung am 26. März 2015 im Polizeimuseum

Video von der Ausstellungseröffnung

Dokumentation von Dirk Blumenthal

Presse:

Kreiszeitung vom 27.03.2015

Kreiszeitung vom 27.03.2015


DIE HARKE (Ausgabe 73 / 2015)
Die Harke vom 27.03.2015 (73)


03.2015