Ordnung und Vernichtung – Die Polizei im NS-Staat

Die neuere historische Forschung hat bewiesen, dass die Polizei, ähnlich wie die Wehrmacht, keineswegs zwischen 1933 und 1945 „sauber“ geblieben ist und nur ihre Pflicht erfüllte. Vielmehr zeigte sich, dass die Polizei ein wesentliches Herrschaftsinstrument zur Unterdrückung, Kontrolle und auch Ermordung von politischen und weltanschaulichen Gegnern des Nationalsozialismus gewesen ist.

Kuratoren NS
Die Kuratoren der niedersächsischen Ausstellung: (v.l.n.r.) M. Schmelkus, S. Wittke, T. Deterding und Dr. D. Götting

Vor diesem Hintergrund stellte der Hallenser Geschichtsprofessor Patrick Wagner in seinem Fachvortrag die bedrückende Frage: Wie war es möglich, dass Polizisten aus der Rolle des Streife gehenden „Freundes und Helfers“ in die Rollen des Menschen in ein Lager deportierenden Schreibtischtäters oder des jüdische Kleinkinder erschießenden Gewaltverbrechers wechseln konnten?

Die Ausstellung geht in ihren Themen dieser Fragestellung nach. So sind Fotoaufnahmen der ersten Wachmannschaft des Konzentrationslagers Moringen ebenso zu sehen, wie kurze Filmaufnahmen von jüdischen Bewohnern aus Hildesheim, die im Hof der Polizeischule Hildesheim auf ihre Deportation warten.

Wachmannschaft Moringen
Erste Wachmannschaft des Konzentrationslager Moringen 1933. Polizisten aus Hannover gemeinsam mit so genannten „Hilfspolizisten“ aus der SA und SS. (Foto: Sammlung Heinze)

Biografien von Tätern aus dem Bereich des heutigen Niedersachsen belegen grausame und menschenverachtende Verhaltensweisen. So etwa die des ehemaligen Polizeichefs von Braunschweig, Friedrich Jeckeln, der für Massenmorde in der Sowjetunion verantwortlich war oder die von Friedrich Pradel, der mobile Vergasungswagen konstruierte, in denen, wie er in einem Bericht schrieb „97.000 verarbeitet [wurden], ohne dass Mängel an den Fahrzeugen“ aufgetreten seien.

Die Ausstellung geht aber über die Zeit von 1933 bis 1945 hinaus und zeigt auch personelle und inhaltliche Kontinuitäten, die weit bis in die 1950er und 1960er Jahre hinein reichen. So gab es zwar immer wieder Versuche einer gerichtlichen Aufarbeitung von Straftaten, die während der NS-Zeit von Polizisten begangen worden waren. Im großen und ganzen muss aber festgestellt werden, dass eine Vielzahl „belasteter“ Beamter nicht belangt und stattdessen wieder den Weg in den Polizeidienst fand. Ein Teil von ihnen konnte sogar Karriere machen und bis in die höchsten Ämter der jungen Landespolizei aufsteigen.

Download: „Zwischen Streifendienst und Massenmord. Die deutsche Polizei im Nationalsozialismus.“

von Prof. Dr. Patrick Wagner (MLU Halle-Wittenberg)

 

Ausstellungsorte

  • 20.09.2012 Landtag Hannover
  • 22.02. bis 14.04.2013 Museum Rinteln
  • 22.04. bis 24.05.2013 Rathaus Uetze
  • 03.06. bis 27.06.2013 Polizeiinspektion Hameln
  • 07.02. bis 28.02.2014 Rathaus Delmenhorst
  • 11.04. bis 02.05.2014 Rathaus Nienhagen
  • 30.04. bis 04.06.2014 Polizeiinspektion Göttingen
  • 19.10. bis 30.11.2014 Polizeidirektion Osnabrück
  • 12.11. bis 12.12.2014 Polizeipräsidium Bielefeld
  • 01.02. bis 06.04.2015 Gedenkstätte Esterwegen
  • 04.05. bis 14.06.2015 Polizeidirektion Hannover
  • 01.10.2015 bis 31.01.2016 Landesmuseum Braunschweig
  • 05. bis 25.04.2016 Landkreis Hildesheim
  • 26.10. bis 30.11.2016 Polizeipräsidium Hamm
  • 03. bis 30.04.2017 Polizeidirektion Oldenburg

Interessierte Einrichtungen, die ebenfalls die Ausstellung zeigen möchten, können sich an das Polizeimuseum Niedersachsen wenden unter: polizeimuseum@akademie.polizei.niedersachsen.de